Euro Krise

Euro Krise

Aufgrund der Brisanz der Euro Krise sowie der Schuldenkrise in den meisten Ländern (inkl. Deutschland!), nehmen wir auch die systemischen Problematiken der Euro-Zone unter die Lupe. Zunächst muss man verstehen, dass die Leistungsfähigkeiten von Volkswirtschaft zu Volkswirtschaft verschieden sind. Das hat sozioökonomische Gründe. Faktoren sind, z.B. Lebensweise, Weltsicht, Mentalität und Gesellschaftsform aber auch Technologie und Produktivität! Sie unterscheiden sich innerhalb der europäischen Währungsunion teils enorm! Und selbst eine Unterscheidung auf nationaler Ebene ist noch zu grob, denn allein der Blick auf Deutschland verdeutlicht große Unterschiede, zwischen Bewohnern des ehemaligen Westens und Ostens oder des Südens und Nordens! Selbst innerhalb dieser Regionen tun sich wieder, zum Teil sehr deutliche, Unterschiede auf. Und auch innerhalb der Bundesländer gibt es zum Teil massive Disparitäten (in Bayern z.B. zwischen Franken, Niederbayern, Oberbayern, Pfälzern usw..). Genau das ist ja eben so toll und macht unseren bunten Planeten so besonders lebenswert! Nichtsdestotrotz hat das nicht unwesentliche sozioökonomische Folgen, die sich z.B. in der nach wie vor andauernden Euro Krise äußern.

Das heißt nicht nur auf nationaler, sondern auch auf regionaler Ebene weicht die Leistungsfähigkeit, mehr oder weniger stark, voneinander ab.

Wenn nun, auf nationalstaatlicher Ebene eine Volkswirtschaft stärker (größer, produktiver, technologisch effizienter) ist als eine andere muss das in der Konsequenz dazu führen,  dass auch die Währung gegenüber der schwächeren Währung stärker (im Fachjargon härter), also werthaltiger ist. Dieser Mechanismus wird also als Auf- bzw. Abwertung bezeichnet. So war vor der Einführung des Euro eine D-Mark etwa 1000 italienische Lira wert. Die Lira war an die italienische volkswirtschaftliche Leistungsstärke angepasst und garantierte so einen fairen und gerechten Handel auch über Landesgrenzen hinweg. Dieser Mechanismus der Auf- und Abwertung muss flexibel sein und laufend geschehen um einen fairen und gerechten Wettbewerb und Handel zu gewährleisten.

Das Ende der Euro Krise am Beispiel Griechenlands erklärt

Die Wiedereinführung der Drachme würde dazu führen, dass sich die griechische Währung wieder der Leistungsfähigkeit der griechischen Volkswirtschaft anpassen könnte. Sie würde gegenüber dem Euro deutlich abwerten. Griechenland wäre folglich als Standort für Investitionen wieder deutlich attraktiver (da durch den Wechselkurs wesentlich billiger geworden) und könnte die Wirtschaft wieder anschieben. Dafür wäre jedoch ein geordneter Staatsbankrott vonnöten da ansonsten die griechischen Schulden in Euro bestehen blieben. Das bedeutet eine Streichung aller griechischen Schulden, die insbesondere gegenüber in- und ausländischen Banken vorliegen – diese Banken hätten dann entsprechende Verluste / Abschreibungen vorzunehmen – die Euro Krise könnte hier also eine ganz neue Wendung nehmen. Dies wird insbesondere deshalb gefürchtet, da die Banken (auch durch den uneingeschränkten intereuropäischen Kapitalverkehr) mittlerweile dermaßen eng miteinander vernetzt sind, sodass ein einziger Bankenzusammenbruch (der durch zu große Abschreibungen hervorgerufen werden könnte) zu einer Reihe weiterer Zusammenbrüche führen könnte (Dominoeffekt). Dies kann eine große und lange Depression zur Folge haben.

Die Auslandsverschuldung der Dritten Welt

In der enormen Auslandsverschuldung der Entwicklungsländer liegt im Übrigen der Hauptgrund weshalb diese niemals auf die Beine kommen können – das System macht auch an dieser Stelle möglicherweise wieder genau das was es soll. Es sorgt dafür, dass die Reichen (in diesem Fall Industrienationen) auf Kosten der Armen (in diesem Fall Entwicklungsländer) zunehmend mehr Wohlstand auf sich vereinen. Schließlich bestehen die Schulden der Dritten Welt gegenüber ihren Gläubigern (überwiegend den Insdustriestaaten) in Devisen. Damit sind sie, durch den Mechanismus der Auf- und Abwertung, in der Landeswährung um ein Vielfaches höher!

Kommen wir auf die Euro-Problematik zurück. Die gesamte Euro-Zone ist aus verschiedensten Leistungsfähigkeiten und technologischen Niveaus zusammengesetzt. Die (vor allem überhastete) Einführung des Euro widerstrebt daher sowohl dem ökonomischen als auch dem ganz normalen Menschenverstand und kann unmöglich auf Dauer funktionieren. Genausowenig kann eine Brille für Kurzsichtige, Weitsichtige, Menschen mit Pupillenverkrümmung und völlig unterschiedlichen Sehstärken für alle eine gute Sicht garantieren! Sie wird immer nur auf ganz wenige passen. Genauso ist es mit dem Euro. So wirklich passt er eigentlich zu keinem Staat da die Staaten untereinander keine Möglichkeit der Auf- bzw. Abwertung haben. Für einige ist er zu schwach (Deutschland, Niederlande, Österreich usw.) für andere zu stark (Griechenland, Portugal, Spanien, Italien usw.).

Insgesamt sind die Produktivitätsunterschiede einfach zu groß.

Selbst die deutsche Wiedervereinigung hat Auswirkungen bis heute. Ganz Europa hat viel zu große Produktivitäts- und technologische Differenzen. An dieser Stelle zitieren wir gerne Prof. Senf, der die immer deutlicher werdenden Entwicklungen der heute deutlich sichtbaren Euro Krise bereits 1996 vorausgesagt hat:

„Wenn wir uns konkret vorstellen, daß die produktivitätsmäßig überlegenen Länder Deutschland, Frankreich, die Beneluxländer, Österreich und Dänemark sich in einer Europäischen Währungsunion mit dem weniger produktiven und in ihrer Entwicklung langsameren Länder wie Spanien, Portugal, Italien und Griechenland befinden, so ist zu erwarten, daß es in den südlichen Ländern zu einem massiven Einbruch der Produktionsstrukturen kommen wird. Um die schlimmsten Folgen davon aufzufangen, wären Unsummen von Transferzahlungen von Mitteleuropa nach Südeuropa erforderlich – und dies zusätzlich zu den innerdeutschen Transferzahlungen von West nach Ost, und zu den Unterstützungen der Reformprozesse und des Aufbaus in den Ländern des ehemaligen Ostblocks. […] Selbst wenn es sich um ein politisch vereinigtes Europa handeln wird und die “Südländer” insofern keine Ausländer mehr wären, schützt eine nur politische Vereinigung nicht vor dem Aufbrechen nationalistischer oder ethnischer Konflikte, wie dies am Zerfall Jugoslawiens und der Sowjetunion überdeutlich wird. Derartige Konflikte brechen insbesondere dann auf, wenn sich die ökonomische Krise zuspitzt und eine ethnische Gruppe sich einen deutlich höheren Anteil am Gesamtprodukt gesichert hat als andere. Bezogen auf ein vereinigtes Europa hieße das: In den benachteiligten Regionen insbesondere des Südens würden sich sehr bald Pulverfässer von Nationalismus und Extremismus aufbauen, die den Traum vom vereinigten Europa schnell zerstören und in europafeindliche Tendenzen umschlagen können.” (Quelle, Bernd Senf – Der Nebel um das Geld – 1996, S. 245).

Werbung kostenloses Buch + BegleitkursLeider wird nur allzu oft von den “Pleite-Staaten” gesprochen, die arbeitende Bevölkerung kann aber unserer Ansicht nach nicht das geringste für die Euro Krise – das ist besonders wichtig zu verstehen um alten Ressentiments erst gar keine Chance zu geben wieder aufzuflammen. Wir sehen also, dass sich zu den geldsystematischen noch eine weiteres systemisches Problem gesellt hat – der Euro. Wir haben deshalb in der Unterrubrik Euro-Unwahrheiten aufgearbeitet, weshalb und wie es zum Zusammenschluss der Euro-Zone kam, welche Aufnahmekriterien missachtet werden und ob es tatsächlich wahr ist, dass Deutschland so sehr vom Euro profitiert.

Unsere drei Buchempfehlungen zum Thema
W. Hankel: Die Euro-Bombe wird entschärft*

M. Otte: Stoppt das Euro-Desaster!*
H.-W. Sinn: Gefangen im Euro (Edition Debatte)*



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