Geldmenge und Geldmengensteuerung

GELDMENGE und GELDMENTENSTEUERUNG

Die ersten Kapitel haben aus Dir bereits einen richtigen Geldspezialisten gemacht. Mit diesem Wissen kannst Du nicht nur Deinen eigenen Weg zur finanziellen Freiheit beschleunigen, sondern auch anderen dabei behilflich sein. Denke immer daran, dass man das, was man gibt, um ein Vielfaches zurückbekommt! In diesem Kapitel erfährst Du, was es mit der Geldmenge und ihrer Steuerung durch die Zentralbanken auf sich hat. Zum Teil haben wir diese Themenbereiche ja schon angeschnitten, aber wir möchten Dich ja zum Fuchs machen – also, weiter gehts!

Definition der Geldmenge

Wenn Du die Funktionsweise von Inflation und Deflation verstanden hast, dann ist der größte Schritt bereits getan. Sie hängen nämlich eng mit der Geldmenge und der Geldmengensteuerung zusammen. Klar ist, dass die Geldmenge einen besonderen Einfluss auf unsere Lebenshaltungskosten hat. Insofern sind Definitionen nicht selten – selbst in der akademischen Wirtschaftswissenschaft – äußerst umstritten. Das liegt zum Teil auch daran, dass nach wie vor nicht klar ist, was Geld eigentlich genau ist (siehe Definition Geld). Dabei weiß heute jeder:

“Geld regiert die Welt!”

Eine genaue Kenntnis über die Geldmenge ist jedoch von essentieller Bedeutung für die Zentralbanken. Sie sind nämlich mit der Aufgabe betraut, die Geldmenge zu kontrollieren und an die Volkswirtschaft(en) anzupassen. Solange aber eine klare Definition von Geld fehlt, ist auch eine effektive Steuerung kaum möglich. Damit ist es extrem schwer Volkswirtschaften vor inflationären oder deflationären Tendenzen zu bewahren! Außerdem führen ungenaue Geldmengenangaben dazu, dass – per Hebelung durch Kreditvergabe der privaten Geschäftsbanken – Überschüsse zu spekulativen Zecken verwendet werden. Das wiederum kann besonders gefährliche Rückkopplungseffekte für die reale Volkswirtschaft haben. Geld und seine verschiedenen Ausprägungen wird allerdings klassifiziert und somit sind auch einigermaßen genaue Geldmengenangaben möglich. Folgende Unterscheidungen werden innerhalb der Geldmengen gemacht:

Geldmenge M0:

Darunter werden alle Banknoten und Münzen zusammengefasst, die sich im Umlauf bzw. bei Geschäftsbanken befinden. Die Geldmenge M0 zeigt damit den Bestand gesetzlicher Zahlungsmittel – dem einzig wahren Geld. Über sie wird – mittels des Leitzinses – die Geldmenge gesteuert. Man muss allerdings wissen, dass die privaten Geschäftsbanken durch Kreditvergabe (anhand der Mindestreserve-Regelung) daraus ein Vielfaches an Sichtguthaben schaffen können.

Geldmenge M1:

Darunter versteht man den gesamten Bargeldbestand (Zentralbankgeld) zuzüglich der Sichtguthaben. Sichtguthaben, als Bestände auf Girokonten, sind jedoch nichts weiter, als Ansprüche auf Zentralbankgeld. Damit bezeichnet die Geldmenge M1 bereits “Geld”bestände, die gar nicht mehr als gesetzliches Zahlungsmittel gelten. Damit begeben wir uns schon auf eher unsicheres Terrain.

Geldmenge M2:

Darunter versteht man die Geldmenge M1, plus alle Einlagen mit Laufzeit bis zu zwei Jahren und Einlagen mit gesetzlicher Kündigungsfrist bis zu drei Monaten. Hier schleicht sich eine weitere Verwirrung in die Diskussion. Denn was hat die Geldmenge schon mit Einlagen und Kündigungsfristen von drei Monaten zu tun? Schließlich können diese Einlagen frühestens in drei Monaten zu richtigem Geld gemacht (liquidiert) werden! Es sind also nicht nur Ansprüche auf zukünftiges Geld, sondern, würde man sie in Sichtguthaben einlösen, sogar nur noch Ansprüche auf Ansprüche!

Geldmenge M3:

Noch komplexer wird es bei der Geldmenge M3. Sie beinhaltet die Geldmenge M2 plus alle Anteile an Geldmarktfonds, Rücklaufversicherungen, Geldmarktpapieren und Bankschuldverschreibungen (mit Laufzeit bis zu zwei Jahren). Sie enthält also unter anderem sogar Ansprüche auf Ansprüche auf Ansprüche auf Geld! Nun kann man auch verstehen, weshalb es für die Zentralbank so schwer ist, eine effektive, präzise und für alle zufriedenstellende Geldmengensteuerung zu gewährleisten. Wegen der vielfältigen Formen und Arten von “Geld” bzw. von Krediten, haben sie es mit einer sehr großen Undurchsichtigkeit zu tun.

Je nach dem welche der genannten Berechnungsgrundlagen nun herangezogen wird, ergeben sich bedeutende Unterschiede. Wie bereits im Abschnitt Inflation & Deflation beschrieben, entstehen Probleme für die Volkswirtschaft, wenn die Geldmenge nicht den realwirtschaftlichen Werten entspricht und adäquat angepasst werden kann.

Werbung kostenloses Buch + BegleitkursWelche Instrumente die Zentralbank für ihre Geldpolitik – unter anderem der guten Geldmengensteuerung – zur Verfügung hat, wird im Kapitel “Fazilitäten” beleuchtet.

Unsere drei Buchempfehlungen zum Thema
N. Herger: Wie funktionieren Zentralbanken?: Geld- und Währungspolitik verstehen*

H. Hazlitt: Die 24 wichtigsten Regeln der Wirtschaft*
H. Gischer und B. Herz: Geld, Kredit und Banken: Eine Einführung (Springer-Lehrbuch)*



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