Komplementärwährungen

KOMPLEMENTÄRWÄHRUNGEN

Vor einiger Zeit waren Komplementärwährungen in aller Munde. Sie wurden von den Gründern als Ausweg aus der Finanzkrise angepriesen. Ganz so weit würden wir nicht gehen. Vielmehr sind sie, wie ihr Name schon verrät, ein interssantes und hilfreiches zusätzliches Bezahlsystem. Eines, von dem vor allem der “Ottonormalhamster” profitieren kann.

Was sind Komplementärwährungen?

Unter Komplementärwährungen versteht man eine Währung die neben der offiziellen Währung (z. B. Euro) in kleinen kommunalen Einheiten zirkuliert. In der Regel ist sie von Vereinen oder Genossenschaften organisiert und wird wird von allen Beteiligten mitgetragen. Einen Beweggrund einer weiteren Währung stellt die permanente Inflation dar. Durch ungebremste Geldmengenausweitung, insbesondere durch die Giralgeldschöpfung, verliert die Währung Tag auf Tag an Kaufkraft.

Das beschleunigt das Hamsterrad und benachteiligt jene Hamster, die nicht über Sachwerte verfügen. Außerdem sorgt zunehmende Globalisierung dafür, dass gerade kleinere, regionale Unternehmen kaum noch Schritt halten können. Das Geld bleibt schließlich nicht in der Gemeinde sondern wandert in alle möglichen Teile der Welt ab. Das, sowie die Möglichkeit Geld dem Kreislauf zu entziehen, sorgen zusätzlich für eine geringe Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Eine Komplementärwährung kann hier Positives bewirken.

Vorteile von Komplementärwährungen

Obwohl die Praktikabilität einer Komplementärwährung (noch) nicht sonderlich hoch ist, stehen auf der anderen Seite eine ganze Reihe positiver Auswirkungen:

  • Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes steigt, da es in der Region bleiben muss
  • Dadurch wird der regionale Handel gestärkt, da mehr regionale Produkte konsumiert werden
  • Eine Komplementärwährung schafft Zusammenhalt unter den Genossen
  • Die Nachteile der Globalisierung werden zum Teil ausgeglichen
  • Inflation kann vermieden werden, da die Geldmenge einfacher steuerbar ist
  • Es gibt kein Giralgeld – alles Geld dieser Währung ist richtiges Geld!
  • Sogar Projekte in Entwicklungsländern melden sensationell tolle Ergebnisse!
  • Ein Rücktausch in z. B. Euro ist jederzeit möglich!
  • Manche Komplementärwährungs-Banken bieten sogar zinsfreie Kredite an!
  • Höhere Kredite werden lediglich kostendeckend ausgegeben (Prinzip der Genossenschaft)
  • Regionalgeld ist deutlich krisensicherer

Wörgl – eine der ersten Komplementärwährungen

Das Beispiel der Gemeinde Wörgl wird in diesem Rahmen immer wieder angesprochen. In dieser Gemeinde wurde 1932 eine der ersten Komplementärwährungen eingeführt. Man nannte es damals Freigeld oder auch Schwundgeld. Heute wird es mit dem Begriff “umlaufgesichertes Geld” bezeichnet. Es handelte sich dabei im Prinzip um ein regionales Geld – mit einem “kleinen” Zusatz. Man baute einen Mechanismus ein, der das Wirtschaftswachstum in miesen Zeiten deutlich ankurbeln sollte. Monatlich verlor die Währung nämlich einen Prozent seines Wertes. Damit die Schuldscheine gültig blieben musste man sie Monat auf Monat mit Marken bekleben. Diese kosteten eben genau ein Prozent des ursprünglichen Nennwertes. Durch diesen sogenannten Negativzins erhöhte sich die Umlaufgeschwindigkeit des “Wörgler Schillings” enorm. Das wiederum stärkte das Wirtschaftswachstum und schuf viele wichtige Arbeitsplätze. Die Region konnte sich so von einer schrecklichen Dürrephase erholen und schon bald wurde die Maßnahme als “das Wunder von Wörgl” bekannt.

Beispiele von Komplementärwährungen

Es bestehen mittlerweile eine ganze Reihe interessanter alternativer Währungen auf regionaler Ebene. Wenn du dich näher damit beschäftigen willst sind hier einige Denkanstöße:

  • Die Palmas im Armenviertel “Conjunto Palmeiras” in Brasilien
  • Das Muschelgeld auf Papua Neuguinea
  • Der Crédito in Argentinien
  • Der Ora in Südafrika
  • Das Wunder von Wörgl in Österreich
  • Die WIR-Währung der Schweiz
  • Die Brakteaten im Mittelalter
  • Der Solidus in der Antike
  • Die Digitalwährung Freicoin
  • Der Chiemgauer im Allgäu

Unsere drei Buchempfehlungen zum Thema
F. Schwarz: Das Experiment von Wörgl: Ein Weg aus der Wirtschaftskrise*

S. Leinert: Regionale Komplementärwährungen in Deutschland: Stand und…*
W. Kessler: Zukunft statt Zocken: Gelebte Alternativen zu einer entfesselten Wirtschaft*



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  • Chris & Jens sind geldsystem-verstehen.de

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    In intensiven Jahren in Mexiko-Stadt wurde das theoretische Paradies unseres VWL-Studiums von der Realität eingeholt. Tag auf Tag wurde eins immer deutlicher: Das Hamsterrad ist allgegenwärtig. In unserem Blog suchen wir nach praktischen Wegen, finanzielle Freiheit zu erreichen.

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