Das Geldsystem muss crashen, da das Geld für den Zins nicht miterschaffen wurde (Gastartikel)

Crash GeldsystemWilfried Hein macht sich nun schon seit vielen Jahren Gedanken zum Geldsystem. Dabei hat er eine interessante Perspektive hinsichtlich des Zinses bei der Geldschöpfung entwickelt. Eine Frage, die noch immer nicht eindeutig beantwortet, aber hochinteressant ist. Schließlich ergeben sich dadurch weitreichende Konsequenzen..

Mythen um das Geld (von Wilfried Hein)

Liebe Freunde der Aufklärung, – Sie kennen das: Man strandet auf einer einsamen Insel mit einem weiteren Überlebenden und mit 100 Goldmünzen in der (meiner) Tasche. Da sich  Mit-Überlebender an „glänzigen Goldstücken“ erfreut, –  leihe ich meinem Freund die 100 Goldstücke zu 10% Zins in Gold, rückzahlbar nächste Woche. Er muss mir also 110 Goldstücke zurückzahlen…

…was natürlich unmöglich ist und damit beweist, dass ein Zins jedes Geldsystem zum crashen bringen muss, weil ja der Zins nicht mit erschaffen wurde und eine Rück- bzw.  Zinszahlung nur mittels weiterer „Kreditaufnahme in die Zukunft verschoben werden kann“

Zuerst las ich von dieser auf den ersten Blick „einleuchtende Feststellung“ beim zum Teil immer noch von mir sehr verehrten „Mr. Dax“, Dirk Müller in seinem Buch „Cash Kurs“.

Eine andere Sicht: Die Österreichische Schule der Nationalökonomie

Damals kannte ich die „österreichische Schule der Nationalökonomie“ noch nicht, hatte dennoch – als Bänker – einige Zweifel an dieser Behauptung. Vielleicht gerade auch deshalb, weil ich damals noch glaubte, wir (Genossenschafts-) Bänker würden doch nur das Geld an Handwerker und Häuslebauer verleihen, was die Sparer uns vorher gebracht haben (das war vor 2008).

Mittlerweile musste ich jedoch erkennen, dass Beides nicht stimmt.

  • Weder sammeln Banken (heutzutage!) das Geld der Sparer, um Kredite zu geben,
  • noch führt ein angeblich fehlender Zins bei der Geldschöpfung zur Schuldenpyramide und zum crash.

Bleiben wir aber heute erst mal beim „nicht mit geschöpftem Zins“.

Es ist wie beim Marxismus. Eine scheinbar einleuchtende Theorie wird bloß gestellt und leistet den Offenbarungseid, wenn man sie dem „Praxis-Test“ unterzieht.

Geldrechnung in der Praxis

Wenden wir uns also von der „einsamen Insel“ ab und betrachten die realen (Tausch-)Vorgänge, die sich in einer vereinfachten, überzeichneten, aber nicht unrealistischen Wirtschaft abspielen. Nachvollziehbar und zum „Mitdenken“:

Gegeben sei:

  • 100 Einheiten (E) Gold
  • 1 Bank (B) mit 100 E und angeschlossenem Materialhandel, Lebensmitteldiscount und Arbeitskräftevermittlung
  • 1 Unternehmer, Handwerker / Maurer als Allrounder (M)

===========

Zusammenfassung (Geldrechnung) vor Beginn der Handlung Periode (P) 0

B: 100 E
M: 0 E

Handlung 1

B beauftrag M ein Bankgebäude für 200 E zu bauen. M benötigt dazu 100 E Kredit von B.
(Vertragsdaten: 20% Zins. 2 Jahre Bauzeit. Im Bau übliche Abschlagszahlungen)

Handlungsende P1:

M: 100 E
B: 0 E
= Bank (B) hat den Kredit / das Geld an Maurer (M) ausgereicht und erwartet Bankgebäude und Zinsen

=================

Handlung 2:

M kauft für 100 E Material, Maschinen, Lebensmittel etc. bei B  und zahlt Löhne
Ende P2:
B: 100 E
M: 0 E

=================

Handlung 3: (Gebäude ist halb fertig)

– die vereinbarte Abschlagszahlung 100 E der Bank an M ist fällig.
– Zinsen (20 E) an die Bank sind fällig,
– M macht Sondertilgung von 50 E

Ende P3:

B: 70 E
M: 30 E

================

Handlung 4: M erledigt den Rest des Baues und zahlt dafür 30 E an B

Ende P4:
B 100
M 0

======================

Handlung 5:

Abschluss des Vorhabens. Restsumme (100) ist an M fällig, Rest-Zinsen (10) sind an B fällig, Rest-Kredit (50) wird getilgt:

Ende P5:
M 60
B 40 (und hat ein neues Gebäude)

======================

Das Resultat

Der Maurer konnte trotz fixer Geldmenge seine Zinsen zahlen und hat noch einen satten Gewinn gemacht! „Mr. Dax“ hatte unrecht, bzw. er beschrieb nur den  Sonderfall wie sie im „Geldsozialismus“ der EZB / EU  anzutreffen ist…

Der Zins ist also im Kapitalismus überhaupt nicht das Problem – wenn reale Wertschöpfung mittels Kredit damit betrieben wird! Und der Zins ist u.a. der Antrieb und die (Zeit-)Qualität für die Wertschöpfung; – denn wenn „M“ nicht mit dem Geld ein Haus zum eigenen, notwendigen Gewinn bauen, sondern das Geld „versaufen“ würde, dann hätte nicht nur er ein Problem, sondern die ganze Volkswirtschaft.  Die Bank (incl. angeschlossenem Getränkehandel)  hätte zwar dann auch die 100 E, – aber weniger Flaschen im Regal und kein neues Gebäude! Die Wirtschaft wäre also geschrumpft –  und das Geld weniger wert, – weil man nichts (mehr) dafür kaufen kann.

Abschließend dazu ein Zitat von Gunnar Heinsohn:

Dass der Zins als entscheidende Zugkraft des Wirtschaftens am Eigentum haftet, ist zwar ganz allgemein schlecht verstanden. Aber nur die Marxisten streiten seit 1917 zu seiner regelrechten Abschaffung. Sie versprechen – wenn man so will – den Menschen für ihr Auto eine noch höhere und überdies pannensichere Geschwindigkeit, wenn man nur den Motor ausbaue. Diese Heilung der Tuberkulose durch Entfernung der Lunge hat an die 100 Millionen Menschen das Leben gekostet…
(Gunnar Heinsohn)

Wilfried Hein


 

Was denkt ihr zu Wilfrieds Rechnung? Wo seht ihr die Schwachstellen im herrschenden Geldsystem bzw. unserer Wirtschaftsordnung? Wir freuen uns auf Eure Kommentare! 😀

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2 Antworten auf „Das Geldsystem muss crashen, da das Geld für den Zins nicht miterschaffen wurde (Gastartikel)“

  1. Noobish sagt:

    Der Beitrag spiegelt nicht im Ansatz die Realität des Systems. Das Problem war auch nie der “Zins an sich” sondern der Spread aus Einlage und Kredit, welcher zu EK in der Bank führt, welches nur durch Geldmengenausweitung haltbar ist. Stockt das System verfällt das EK theoretisch (zuletzt 2007-2009 gesehen).

    Zugegeben, ich stelle es nun einfach dar, aber 99,999 % der Leute verstehen nichts von dem System. Und dieser Beitrag ist ebenfalls keine Erhellung, sondern ein theoretisches Konstrukt welches nichts widerlegt oder bestätigt.

    Mein Abschlusssatz: Vereinfache die Welt so weit du kannst, aber nicht weiter.

    In diesem Sinne…

  2. Chris und Jens sagt:

    Genau darum geht es bei der Diskussion Björn – um die Diskussion! Selbst die Geldmengenausweitung – bzw. Inflation (die erst nachgelagert Kaufkraftverlust ist) – ist ebenfalls ein kaum verstandenes Phänomen. Geldmengenausweitung ist notwendig, um das System am Laufen zu halten, das sehen wir ähnlich 😉

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