Glass Steagall Act – Trennbankensystem

TRENNBANKENSYSTEM - GLASS STEAGALL ACTDer Glass Steagall Act (Trennbankensystem) in den USA geht zurück auf das Jahr 1933. Er wurde unter wirtschaftlich höchst turbulenten Zeiten erlassen.

Es war die Reaktion auf die katastrophalen Auswirkungen der Ereignisse vom Schwarzen Freitag, der sich 1929 ereignete und eine Weltwirtschaftskrise (die große Depression) nach sich zog. Das Ziel war die Bekämpfung der Bankenkrise und der bereits seit Jahren anhaltenden Deflation.

Diese Tendenzen mussten dringend abgeschwächt und umgekehrt werden, wollte man den Totalzusammenbruch der Weltwirtschaft vermeiden. Anstatt dessen verstärkten sie sich aber sogar gegenseitig!

Deflation bedeutet, dass sich Preise in einer Abwärtsspirale befinden. Alles wird Tag auf Tag günstiger. Was die Wirtschaft zunächst belebt, führt schon kurz darauf dazu, dass immer weniger Geld ausgegeben und konsumiert wird. Alle Welt spekuliert nämlich darauf, dass die Preise noch weiter fallen. Das kann die Wirtschaft sogar zu Erliegen bringen. Gerade in solchen Zeiten braucht es Kredite für Investitionen – von Banken.

Doch genau das war damals das größte Problem. Da infolge des Börsenzusammenbruchs von 1929 ein Großteil der Schuldner ausfiel, mussten die Banken enorme Summen abschreiben. Der zusätzlich ausgelöste Bank-run tat sein übrigs dazu, dass fast ein Drittel aller Banken Pleite gingen. Kredite waren überaus knapp und nur schwer zu bekommen – heute sehen wir in deflationären Zeiten genau die gegenläufige Tendenz.

Glass Steagall Gesetz oder Trennbankengesetz

Der Glass Steagall Act, zu Deutsch Trennbankensystem, ist ein US-amerikanisches Gesetz zur Regulierung der Finanzmärkte, genauer gesagt der Banken. Es wurde unter Präsident Hoover 1932 erlassen und später – 1933 – unter Präsident Roosevelt nochmals modifiziert verabschiedet.

Die Idee dazu geht auf Senator Carter Glass (Virginia) und dem Kongressabgeordneten Henry B. Steagall zurück. Das Gesetz wurde – den beiden Demokraten zu Ehren – nach ihnen benannt.

Das Gesetz des Glass Steagall Act beinhaltete die stabilisierende Regelung, dass Banken ihr Kerngeschäft fortan vom Spekulationsgeschäft zu trennen hatten.

Was heißt Trennbankensystem genau?

Das Kerngeschäft von Banken liegt eigentlich im Kreditwesen. Das heißt in der Ausgabe von Krediten an private Haushalte und Unternehmen.

Private Haushalte nutzten die Kredite damals vor allem für die Finanzierung des Hausbaus im Sinne eines traditionellen Darlehens. Erst später begann die Flut der (dummen) Konsumkredite. Darüber hinaus waren Banken vor allem für die Aufbewahrung der Einlagen der Kunden zuständig, was im Laufe der Jahre immer risikoreicher wurde..

Unternehmen wiederum benötigen Kredite um Investitionen tätigen zu können. Im Rahmen einer sogenannten Fremdfinanzierung über Banken können damit deutlich größere Investments getätigt werden. Das Unternehmen kann dadurch auf der einen Seite das Eigenkapital hebeln und auf der anderen Seite das Risiko von Investitionen verringern.

Das Bankensystem der Trennbanken

Banken mussten im Trennbankensystem somit ihre traditionellen bzw. kommerziellen Einlagengeschäfte- und Kundengeschäfte von Investmentgeschäften strikt trennen.

Sie mussten ihr Geschäft somit dem einer Spezialbank angleichen und sich zwischen Kredit- bzw. Einlagengeschäft oder Investmentgeschäft entscheiden. Man hatte nämlich über viele Jahre festgestellt, dass gerade die Verknüpfung von traditionellem Kreditgeschäft mit dem Investmentbereich schnell zu Interessenkonflikten führen konnte. Diese äußerten sich zum Beispiel in spekulativem Handel und unprofitablen Kreditvergaben.

Das Dasein als Investmentbank hatte für das Renditegeschäft jedoch einen erheblichen, lange unterschätzen Vorteil. Investmentbanken unterlagen nicht weitaus weniger strengen Aufsichtsregeln und Kapitalvorschriften als traditionelle Geschäftsbanken

Das Problem der Universalbanken

Gerade Börsenzusammenbrüche und damit verbundene rapide Kursverluste, könnten große Universalbanken, die ebenfalls in das Investmentgeschäft involviert sind, schnell in die Zahlungsunfähigkeit treiben. Ein Bankrott trifft jedoch „normale“ Bankkunden in Universalbanken ebenso – und zwar völlig ungerechtfertigt! Derweil wollen sie ihr Geld eigentlich lediglich gut verwaltet wissen.

Der Glass Steagall Act stellte lange Zeit ein stabilisierendes Trennbankensystem her. Es sorgte dafür, dass der systemisch wichtige Teil der Banken – die Versorgung der Wirtschaft mit Krediten – im Falle eines drohenden Bankrotts von der Regierung (den Steuerzahlern) aufgefangen werden konnte.

Insofern war die Trennung der Geschäftsbereiche von Universalbanken – spekulatives Investmentgeschäft vs. traditionelles Bankgeschäft – voll und ganz gerechtfertigt.

Wer bei den Banken in der Kreide steht, muss damit rechnen, dass die ihn im Ernstfall in der Tinte sitzen lassen.” (Renzie Thom)

Die Auflösung des Trennbankensystems

Durch den sogenannten “Gramm-Leach-Bliley Act” wurde das Trennbankensystem 1999 aufgehoben und der Glass Steagall Act außer Kraft gesetzt. Die Trennung zwischen Investment- und Kreditgeschäften für Geschäftsbanken war plötzlich nicht mehr vorhanden. Querfinanzierungen waren wider möglich und gerade für Kleinanleger stieg das Risiko enorm.

Der Gesetzbeschluss des “Gramm-Leach-Bliley Act” geht übrigens auf den damaligen Finanzminister Robert Rubin (zuvor 26 Jahre bei Goldman Sachs) – ausgerechnet während der Zeit der Clinton-Administration – zurück. Es sollte übrigens nicht die einzige liberalisierende Deregulierungsmaßnahme sein, die Rubin damals zugunsten der Finanzmärkte anstieß.

Kritiker sehen in der Auflösung des Trennbankensystems ein erhebliches systemisches Problem und nicht zuletzt den Hauptauslöser der Finanzkrise 2008.

Damals gingen einige Banken hohe spekulative Risken ein und vernichteten die Einlagen ihrer Kunden. Die Auflösung des Trennbankendsystems führte zudem dazu, dass die Steuerzahler für Verluste des spekulativen Investmentgeschäfts der Privatbanken aufkommen mussten. Die Banken waren aufgrund ihrer Systemrelevanz “too big to fail” (zu groß zum Scheitern) geworden.

Deshalb versucht man Bankpleiten, wie bpsw. jene von Lehman Brothers, unbedingt zu vermeiden. Sie können einen Dominoeffekt auslösen, der in kürzester Zeit das gesamte Finanzsystem in den Abgrund zu reißen vermag.

Bankensystem Deutschland

Die nicht-Trennung von Einlagen- und Investmentgeschäft in Universalbanken hält bis zum heutigen Tage an. Wie auch aus vielen anderen Finanzkrisen, scheint man aus den Ereignissen von 2008 nicht schlauer geworden zu sein.

Viele Banken haben heute selbst in Deutschland kritische Größen erreicht. Ein Bankrott hätte somit auch für die REALE Volkswirtschaft verheerende Konsequenzen. Insofern bleibt Regierungen im Fall der Fälle gar keine andere Wahl, als diese Banken immer und immer wieder mit Steuergeldern- oder eigener Verschuldung zu “retten”.

In Deutschland bekamen wir die Auswirkungen dieses Universalbankensystems z. B. durch die Pleite der Hypo Real Estate zu spüren. Heute weiß man, dass der Staat in dieser einzigen Bank bereits mehr als 150 Milliarden Euro an Steuergeldern versenkt hat. Man riskiert mit einem System, das Kredit- und Investmentgeschäft nicht trennt, dass spekulative Geschäfte über das traditionelle Bankenwesen immer mehr die Oberhand gewinnen.

Da sich Finanzkrisen in bestimmten zeitlichen Abständen immer wieder ereignen ist das besonders gefährlich. Dadurch werden nämlich die Einlagen der Bankkunden, die für ihre Ersparnisse im Hamsterrad hart arbeiten müssen, gefährdet. Das Trennbankensystem und seine Wiedereinführung sollte daher dringend diskutiert werden!

Nicht nur das Trennbankendsystem sondern auch das Bretton-Woods-System wurde während der Präsidentschaft von Franklin D. Roosevelt verabschiedet. Es sicherte den USA über viele Jahrzehnte die Vormachtstellung auf den Weltmärkten. Wie und warum erfährst Du hier.

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2 Antworten auf „Glass Steagall Act – Trennbankensystem“

  1. Hans Masjosthusmann sagt:

    War es nicht auch dem Finanzminister Robert Rubin (Goldman-Sachs) zu “verdanken”, dass Lehman Brothers nicht gerettet wurde? Und hat Goldman-Sachs an der Lehman-Pleite nicht gut verdient?

  2. admin sagt:

    Auf die erste Frage können wir natürlich nur ein mutmaßliches “Ja” äußern, weil wir hier keine Unterstellungen publizieren möchten. Die zweite Frage ist da schon eindeutiger mit “Ja” zu beantworten. In Krisenzeiten ist schließlich immer das meiste Geld zu “verdienen”. Danke für den Einwand!

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